Do you speak english?
Verfasst von Daniel Philip Schuster am 22. Juni 2009 um 20:27 UhrFreunde der Bettel-Mafia,
Das Kanzler-Casting ist vorbei - Zeit für politische Unkorrektheiten. Damals, mitten im Wahlkampf, wurde ich in Herford an einer Straßenlichtung von einer Dame mit zwei Kindern im rostenden Auto abgefangen. Sie stieg aus, kam betend auf mich zu und sschrie schnell und flehend “Jesu Christi! Jesu Christi! Gott ist gnädig.” Soweit noch alles normal. Passiert mir täglich. “Do you speak english?” fragte sie alsdann. “No.” antwortete ich, und war mir schnell im Klaren, dass man kaum dämlicher auf diese Frage antworten kann.
Sie gab mir einen Zettel, in deutscher Sprache verfasst. Auf dem stand sie bräuchte dringend Geld und habe kein Essen. Das Auto hatte ein Nummernschild mit Seilen befestigt, war voll mit Koffern und Kindern, und man hätte ihr die Geschichte, sie wäre seit 2006 arm wegen eines unglaublichen Hochwassers sofort abkaufen können. So ergriff ich meine Geldtasche und gab ihr zwei Euro. Sie erblickte den 50 Euro Schein in meiner Geldtasche, und wollte lieber den haben. Logisch eigentlich.
Schnell war ich in meinem Auto, die Dame leider auch. Jetzt versuchte sie zu handeln. “10 Euro? Jesu Christi!” Mit der Euro-Währung hätte auch Jesus nichts anfangen können… “50 Euro mit Stiefel?”, entgegnete ich ihr nicht. “Äh, ähm, äh, ne, ähm äh, äh…” Mit diesen Worten fuhr ich davon.
Wenige Wochen später in Berlin.
A: “Do you speak english?”
B: (Schulter zuckend)

Hu, diesmal gut gerettet. Zwischendurch hab ich die Damen übrigens auch in Bielefeld erspähen können. Letztes Wochenende, wieder in Berlin. Ich hab die Schnauze voll. Die Damen stehen zu viert vor dem Brandenburger Tor. Sie verfolgen mich! Da bin ich mir sicher! Jetzt sogar mit Kind auf dem Arm. Ich habe ihnen nicht mein Geld gegeben - Jetzt sind sie hinter mir her. Was tue ich nur jetzt?!
A: “Do you speak english?”
B: “Mächälale Kasch kritsch genova gehä, skrrlll ga notsch mählig?! Genähaaä!!!!”
A: (ratloser Blick)
B: “Mächälaleä Kritsch glesova hä hä?!”
A: “Nichts verstehen?!”
B: “Gehälänowitsch kleglächä!!!!! Pa!”
Ja, nicht die feine Art die Dame mit einer Fremdsprache zu konfrontieren, die es gar nicht gibt. Und doch hat es mich irgendwie befreit. Denn es ist die Universalmethode, um in Zukunft nicht mehr gefragt zu werden. Aber ich möchte zugeben: Es geht auch um einiges besser - wenn auch nicht wirklich netter. Ich werde Zeuge, wie man es richtig macht: Ein leicht cholerischer älterer Mann weiß gekonnt zu antworten:
A: “Do you speak english?”
B: “No!”
A: “german?”
B: “No!!”
A: “france?”
B: “No… Verdammt nochmal… I speak nothing!!!”
A: (genervter Blick)
B: (genervter Blick)
Hmpf. Das nächste mal mach ich es auch so. I speak nothing.



