Olympia: Ein Videospiel am “Scheitel-Punkt”
Begeisterung - Oder lieber doch nicht? Wie soll man die Stimmung auf der Welt beschreiben, wenn das Thema “Peking” auf den Tisch kommt? Süß-Sauer vielleicht. Was denken die Menschen, wenn über das dopingärmste, sportliche Ereignis gesprochen wird, welches auf unserem Planeten existent ist? Gleich neben der “Tour de France”?
Ich habe mir von meinem Arzt einige Spritzen setzen lassen, und bin von NRW nach Berlin gejoggt, um über diese Frage nachzudenken. Nun bin ich bis Dienstag in einem fernsehfreien Wohnkomplex untergekommen. Ganz ohne Sportberichterstattung, Manager und Ärzte hat man Zeit, sich ein wenig Gedanken über die olympischen Spiele zu machen. Die Eröffnungsfeier konnte ich in Teilen noch bewundern. Aber ich habe mich in “Selbstkontrolle” geübt. Das, was dort niemand kennt, könnte man sarkastisch hinzufügen. Oder um es chinesisch zu erklären: Für den eigenen Staat ist das chinesische Volk wie Darsteller eines Videospiels - Und sie haben den Controller in der Hand. Eine sehr realistische Grafik und viele verschiedene Möglichkeiten, das Geschehen in der virtuellen Welt zu kontrollieren.
Was wäre wohl passiert, wenn ein Tänzer während der Eröffnungssequenz im Videospiel aufmerksamkeitsstark Kritik geübt hätte? Es hätte nur einer “aus der Reihe” tanzen müssen. Oder noch viel lustiger: Liegenbleiben. Bis alle anderen gestolpert sind. Massenbowling. Ein chinesischer Domino Day. Aber niemand wollte. Oder konnte. Und so hat alles geklappt, wie man es von höchster Stelle erzwungen hat. Gut, es hat einige “Cheats” gebraucht, aber es hat funktioniert.
Diese gigantische Show, die zweifelsohne künstlerisch großartig und prächtig inszeniert wurde - Sie wäre so viel schöner, hätten dafür die Bürger nicht leiden müssen. Doch wäre sie dann überhaupt so pompös ausgefallen? Ist eine solche Inszenierung überhaupt möglich, wenn alle ethischen Grundrechte eingehalten werden? Ich denke nein. Dann hätte die Eröffnungsfeier anders ausgehen. Dann würden mitten im Stadion noch kleine Häusschen stehen. Und kleine Hühnchen und Hündchen würden durch die großartige Architektur rennen, und die synchronen Tanzformationen stören. Wenn man sie vorher nicht köstlich zubereitet hätte, versteht sich.
China hat mit der Eröffnungsfeier dem Kunstwesen einen riesen Gefallen getan - Nicht aber sich selbst. Nicht im Ausland. Für mich hat China den “Scheitel-Punkt” erreicht. Der Punkt, an dem sich mir als Deutscher alle Haare aufstellen, die ich nach meinem zwanzigsten Geburtstag an meinem Körper noch zur Verfügung habe.
Mich erinnert das ganze Spektakel an die deutschen Olympische Spiele, als kein Lorbeerkranz auf dem Kopf tronte, sondern ein sexy Scheitel oder ein modischer Kurzhaarschnitt. Diese gigantischen Bilder, diese gigantische und geschichtsorientierte Inszenierung. Der fein eingestreute Nationalstolz. Die chinesische Sprache hört sich sogar so an, als würde Hitler einen ausgeprägten Schnupfen haben. Nur der Arm hängt schlaff herunter. Und die bei Erkältung so wichtige Rotzbremse war bei den Damen und Herren auch nicht vorhanden.
Für wenige Tage gibt man sich weltoffen und freundlich. Außer im Pressezentrum. Und auch nur, wenn alle brav das sagen, was vorgeschrieben wird. Sonst gibts Schläge. Oder zumindest den Entzug des Visums. Auch das hatte Hitler damals genauso gemacht.
Aber was solls - Man will ja nur dabei gewesen sein. Diesen Satz hört man immer und immer wieder. Für die Propaganda bleibt die Aufklärung auf der Langlaufstrecke liegen. Hauptsache, dem Volk der Chinesen kann ein weiteres Mal demonstriert werden, wie toll und mächtig die Politik ist, soweit man sie akzeptiert.
Solche neiderfüllten Fragen wie: “Wie kann man verantworten, in einem Stadion zu stehen, dessen Bau von so vielen Qualen für die Bevölkerung begleitet wurde?” oder “Wie kann man verantworten, dass die Bilder einer selbst zu propagandistischen Zwecken in den chinesischen Medien missbraucht werden?”…
Die Sportler sprechen davon, dass die Politik nichts mit dem sportlichen Geschehen zutun hat, und man so etwas trennen müsse. Richtig! Großartige Einstellung! Würde China Deutschland angreifen - Vollkommen egal - Wieso soll man im Stadion nicht sein Können unter Beweis stellen? Politik und Olympiade… Das passt wirklich gar nicht zusammen. Noch nie! Ehrlich! Die Veranstaltung existiert natürlich nur deshalb, weil der Sport gefeiert werden soll. Nicht etwa, weil Länder ihr Image national und international aufpolieren wollen und das Olympische Komitee Geld braucht.
Ich wäre dafür, dem Kind Hu Jintao seine Konsole wegzunehmen. Denn sonst geht das Spiel schnell Game-Over - Weil alle Leben aufgebraucht sind.
Nachtrag vom 10.08.2008: Toll, jetzt waren es wirklich Video-Spiele!
Am 10. August 2008 um 12:04 Uhr
der artikel ist mal wieder super.
wie von dir gewohnt witzig,- chines.domino day-
ironisch -hitler vergleich-
und ernst. habe einen bericht im fs über die kinder
gesehen, die gedrillt werden ohne ende. es ist zum
k…..