“Schau mal Mama, der hat Hitlers Kopf in der Hand!”
So ein ähnlicher Satz dürfte gestern wohl im neuen Madame Tussauds in Berlin zu hören gewesen sein. Ein 41jähriger Mann riss am ersten öffentlichen Tag des Wachsfiguren-Hauses Hitler den Kopf ab. Was mich eben zu folgender spontanen Aussage brachte: “Hitler ohne Kopf? Ändert sich ja nicht viel.”
Ich bin sehr gespannt wie die Presse darüber berichten wird. Ein Passant wollte den Mann daran hindern. Ich könnte mir durchaus vorstellen, die BILD Zeitung wird spätestens morgen die Deutschen auffordern: “Sperrt diesen verrückten weg!”. Also den Mann, der ihn aufhalten wollte. Es ist ja schon komisch genug, dass sich halb Presse-Deutschland über die Figur aufregt. Ja, was soll der Führer denn als Wachsfigur anrichten, außer geschichtlich zu informieren? Achso, ja. Wegen den Eintrittsgeldern. Man verdient mit dem grausamen Diktator Geld. Ohne ihn zu fragen. Ohne die Opfer zu fragen. Ohne Guido Knopp zu fragen.
Die ganze Aufregung, die in den letzten Wochen den Medien zu entnehmen war, endet nun mit der Enthauptung Hitlers. Ein Moment, den man vielleicht noch nachträglich in die Geschichte des zweiten Weltkrieges aufnehmen sollte. Denn welcher Bösewicht kann schon von sich enthaupten… Pardon: behaupten, sich erst in einen Bunker eingesperrt, dann erschossen zu haben, danach verbrannt worden zu sein und dann, über 60 Jahre später, noch eine Enthauptung am eigenen Leib erfahren zu können… Wow! Respekt: Hitler hat sich durch seine Taten tatsächlich unsterblich gemacht. Es mag einen fast so vorkommen, vergeht doch kaum eine Woche, inder nicht über den Mann mit dem steif gewordenen Tennisarm und der modischen Intimfrisur im Gesicht berichtet wird. Göbbels hätte einen Orden dafür bekommen, wenn er es geschaft hätte, innerhalb eines Monats so viel über seinen geliebten Führer schreiben zu lassen.
Warum mich das ganze so erregt? Nun: Lasst Hitler doch einfach mal da blöd in der Gegend stehen. Er hat im Prinzip früher nie etwas anderes gemacht. Der tut heute nix mehr, außer doof gucken. Jeder Pudel einer rechtsradikalin Rentnerin ist aggressiver und böswilliger als diese Puppe aus Wachs. Man könnte ihm theoretisch ein Haarreif aufsetzen und er könnte nichts machen. Man könnte sich als Jude, Schwuler oder Swing-Liebhaber neben ihn stellen und er wird nichts tun, außer nach vorne starren. Man könnte sich vor ihn stellen und sagen: “Es gibt überall Krieg auf der Welt. Und Du kannst das nicht miterleben. Ha! Ha!”
Ist das nicht eigentlich wunderbar? Nebenbei werden seine Tätigkeiten sogar noch ausführlich erklärt. Die Kinder bekommen also durchaus vermittelt das dieser Mann mit den fettigen Haaren “voll uncool” und viel mehr als “Aggro” ist. Die Medien hingegen machen aus ihn eine art Helden des Bösen. Sie skizzieren einen kranken, dämlichen Mann als die intelligente Boshaftigkeit schlechthin, anstatt doch einfach darüber zu berichten, wie Leuten Geschichte näher gebracht wird. Und mehr nicht.