Daniel Philip Schuster
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Warum die Drehbücher von CSI Miami eine Gefahr für unseren Wortschatz sind.

Kennen Sie diese Problematik, ein bestimmtes Wort immer und immer wieder in Ihren Unterredungen zu verwenden? Eine ominöse Eigenschaft, die der Mensch sich im Laufe der Zeit angeeignet hat, finden Sie nicht? Jeder von uns benutzt ein bestimmtes Wort oft mehrmals am Tag. “Schalalalaaaand” zum Beispiel. Oder “Benzinpreiserhöhung”.

Es ist diese Woche ganz besonders schlimm bei mir. Ich möchte fast sagen: Es ist krankhaft. Dieses eine sporadische Wort. Ich benutze es nach fast jedem zweiten Satz, während ich spreche. Ich verstecke mich inzwischen sogar hinter einer Sonnenbrille, weil es mir so unglaublich peinlich ist. Ich sage immer und immer wieder: “Eric?!”

Meine Nachbarn schauen schockiert, meine Eltern irritiert. “Wer ist Eric?” fragte wutentbrand mein Gatte. Und ich kann die Frage nur bedingt richtig beantworten: “Der Kollege von diesem Typen mit den orangen Haaren. In dieser komischen Serie mit drei Buchstaben, in der alle Darsteller von Neonröhren bestrahlt werden, als wäre die Pathologie eine Disko in den 70er Jahren. Auf diesem niveaulosen Sender mit drei Buchstaben.”

Ein Phänomen. Eine Seuche. Ich habe bereits Freunde und Feinde mit diesem Wortfetzen angesteckt. Es muss wohl so sein, wie damals bei Star Trek. Nachdem Commander Spock ein paar Folgen hinter sich hatte, entdeckten viele Deutsche das Wort: “Faszinierend”. Faszinierend. Auch er war von diesem Virus befallen, dieser neurotischen Drehbuchkrankheit. Als wenn irgendetwas übernatürliches einen dazu zwingt, ein Wort oder ein Satz immer wieder zu wiederholen. Auch 9Live Moderatoren und Bild-Schlagzeilen-Texter sind übrigens unheilbar an dieser grauenvollen Krankheit zu Grunde gegangen.

“Eric?!” Man kann es gar nicht oft genug sagen. Es ist, ich habe es gerade herausgesucht, ein Zitat aus der Fernsehserie “CSI Miami”, die derzeit auf RTL versendet wird. Und zwar direkt vor meiner derzeitigen Lieblingsserie “Dr. House”. Eric ist ein Charakter, der motorisch in ziemlich jeder Folge auftaucht. Der Charakter an sich ist nicht weiter interessant, nur die Momente, in dem Horatio (Ja, wieder so ein spannender Name!) dem aufmerksamen Zuschauer vermitteln will, dass er nun mit Eric spricht. Und das tut er zumeist mit: “Eric?!”

Es passt praktisch in jede Situation. Auf Kindergeburtstage, Beerdigungen, in Gerichtsverfahren, in der Psychatrie, während eines Schusswechsels, beim einkaufen, beim Sex, einparken oder kurz vor dem Abspann. Ein wörtlicher Universaleinwurf, der vielseitig einsetzbar ist. Würde ich Kinder haben, weitere Haustiere, würde ich eine Duftserie auf den Markt bringen, eine Zeitmaschine entwickeln, ein Mittel gegen Aids finden oder ein Möbelstück bei Ikea benennen dürfen - “Eric?!” wäre mein erster Einfall.

In der Serie selbst wird diese kreative Sprachexplosion auch vielseitig abgeändert: So wird aus “Eric?!” gerne mal auch “Eric.” oder “Eric!”. Selbst als Ergänzung passt es wunderbar in das ohnehin intellektuelle Drehbuch der Serie: “Er ist tot, Eric.”, sagt Horatio zu Eric, worauf Eric nicht “Eric!” oder “Eric?” antwortet, wie man es anhand des Namen von Eric “The Eric” Eric vermuten könnte, sondern: “Wie kann das sein?”. Man müsste hinzufügen: Ganz ohne Eric.

Das frage ich mich auch. Wie kann man diesen Namen dauernd in das Drehbuch einbauen? Ich würde gerne eine Antwort auf diese Frage bekommen. Falls sich noch jemand angesteckt hat - Bitte melden! Ich komme nicht mehr aus dem Haus, ohne meine Sonnenbrille abzunehmen, nachdenklich nach unten zu schauen und zu sagen: “Eric?!”. Und bevor mir noch ein Bettler in der Fußgängerzone den Stinkefinger zeigt, hätte ich gerne ein Gegenmittel. Bedankt.

4 Reaktionen zu “Warum die Drehbücher von CSI Miami eine Gefahr für unseren Wortschatz sind.”

  1. Silke
    Am 19. Juni 2008 um 19:18 Uhr

    Eric ?!

  2. Ina
    Am 25. Juni 2008 um 09:58 Uhr

    Ich glaube ich gründe im nächsten Block mal eine Selbsthilfegruppe zu dem Thema. Da können wir uns dann in einen Kreis setzen und während wir uns gegenseitig anschauen die Sonnenbrillen abnehmen und “Erik?!” sagen.

    Einverstanden? XD

    Antwort von Daniel Philip Schuster:
    Das ist eine wundervolle Idee. Und danach gucken wir Blues Brothers ;) Ich lade natürlich alle 8 Milliarden Blogleser dazu ein.

  3. wallis
    Am 29. Juni 2008 um 12:26 Uhr

    der virus ist perfekt. habe heute morgen zu meinem mann eric
    gesagt, und bums …….. jetzt blaues auge, er heißt karl.

  4. Daniel Philip Schuster
    Am 30. Juni 2008 um 18:42 Uhr

    Nachtrag: Gerade per ICQ bekommen…

    http://blog.beetlebum.de/2008/06/10/justice-will-be-done/

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