Daniel Philip Schuster
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Öffentlicher Brief an alle, die mein Auto kaufen wollen

Mein Lieber “GüLü Export” mit orangener Karte (Mobil: 01520 - 463991);
Verehrter “GüLü Export” mit pinker Karte (Mobil: 01520 - 463991);
Gesegneter “Auto Export” (Mobil: 0175 - 9190082), erste Karte;
Fremder “Auto Export” (Mobil: 0175 - 9190082), zweite Karte;
Mein liebster “Auto Export” (Mobil: 0175 - 9190082), dritte Karte;
Du großartiger “Auto Export” (Bundesweit: 01520 - 7737772);
Unbekannter Kartenverteiler mit gelber Karte (Mobil: 0173 - 7570957);
Ebenso netter Kartenverteiler mit blauer Karte (Mobil: 0173 - 7570957);
Kreativer “Automobil Export” (Mobil: 0172 - 5326803) und lieber letzter Kartenverteiler (Mobil D2: 01748777400, D1: 01755922154);

Ist es nicht irgendwie traurig? Es ist doch depremierend. Ich bin Lehrling. Fahranfänger. Halbstarker. Noch nichtmal zwanzig Jahre alt. Ich befinde mich also in einer andauernden Lernphase. Mein Gehalt reicht zum Leben, mein Gebrauchtwagen fährt sich auch nach meinem ersten Unfall gut, und bei einer Prügelei würde ich zwar verlieren, aber mein Gehirn würde keinen großen Schaden nehmen, da ich viel zu wenig vom Leben weiß.

Nun schaue ich also nach vorne. Obwohl ich kaum etwas weiß. Obwohl ich keinen Parkplatz direkt vor der Firma habe, weil ich noch Lehrling bin. Ich arbeite brav vor mich hin. Ich grüße sogar freundlich und mit einem zustimmenden Nicken jeden BMW- und Opelfahrer, der mich mit Vollgas und Gehupe überholt.

Doch wenn ich Feierabend habe, ich zum Edeka-Parkplatz um die Ecke laufe, um in mein Auto einzusteigen, bin ich mit einem Ruck schlecht gelaunt. Ist mein Auto so schrottig? So dreckig? Ist es so schlecht dass ich es verkaufen möchte? Gut, es ist im Innenraum nicht sonderlich aufgeräumt, und der Unfall hat einen von der Farbe abweichenden Kotflügel (Einer der ekelhaftesten Begriffe der deutschen Sprache!) gefordert, aber ist das so schlimm? Sehe ich so aus als wenn ich ganz dringend Geld brauche um es zu verkaufen? Mindestens einmal pro Woche finde ich eine Visitenkarte an meinem Wagen. “Wollen Sie ihr Auto verkaufen?” oder “Wenn Sie Ihr Auto jetzt oder später verkaufen möchten - dann rufen Sie mich bitte an” steht dann dort. Manchmal überlege ich tatsächlich dort anzurufen. Um dieser Kartenflut zu entgehen. Und dann würde ich sagen: “Ja, ich möchte mein Auto später verkaufen. So in zwölf Jahren vielleicht. Würden Sie mir das Geld vorstrecken?”.

Die Problematik ist ja Folgende: Würde ich bei Ihnen tatsächlich anrufen und Ihnen mein Auto verkaufen, brauche ich ja ein Neues. Also frage ich dann einen Ihrer Kollegen nach einen Wagen für eben dieses Geld. Sobald ich dann aber mit so einer Schrottkarre irgendwo parke, dürften die Fenster mit Ihren Karten wiederum dichtgepflastert sein. Ein Teufelskreis! Nun trage ich ja auch Altpapierkosten. Die Herren von Edeka sammeln am Abend sicherlich auch Unmengen Ihrer Karten auf. Daher lagere ich Ihre Karten inzwischem in meinem Auto:

Auto Exporte und Co.: Meine Kartensammlung

Die Idee mit der Fensterscheibe habe ich vor ungefähr einem Jahr auf einem anderen Parkplatz gesehen. Großes Kompliment! Allerdings: Nun mag es vielleicht eine liebe Geste von Ihnen sein. Etwas gut gemeintes, dass ich immernoch neue Karten bekomme. Aber ich möchte keine Karten mehr haben. Denn sonst kann ich bald durch meine Scheiben nichts mehr sehen. Ich finde meinen Wagen so, wie er ist, wunderbar. Ich habe noch Küchenplattenreste in der Wohnung, die Sie kaufen können. Oder alte Ordner. Nebenan wird demnächst auch eine Wohnung frei. Das alles können Sie gerne haben - aber nicht meinen Wagen.

Aber ich will nicht so sein, will Sie nicht schlecht machen. Ich biete Ihnen einen Deal an. Einen Deal, der auch Ihr Gewissen bereinigen kann. Verteilen Sie einfach diese Karten auf dem selben Parkplatz (Edeka in Herford) und ich will mal nicht so sein.

Die Karte für alle Autohändler

Liebe Grüße!
Ihr Daniel Philip Schuster

P.S.: Vielleicht werde ich jetzt auch welche verteilen gehen. Dann wird Ihre vielleicht gar nicht erst gelesen.

Der Beitrag wurde am Dienstag, den 9. Oktober 2007 um 20:58 Uhr veröffentlicht und wurde unter Blog abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

Eine Reaktion zu “Öffentlicher Brief an alle, die mein Auto kaufen wollen”

  1. wallis
    Am 10. Oktober 2007 um 11:19 Uhr

    vielleicht ist es eine gute idee einen breifkasten am auto zu entwerfen, extra für die karten. schlecht wäre auch in großen buchstaben dieses auto ist n i c h t zu verkaufen

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